Timecode ist nicht Sync!
Timecode ist nicht Sync... Klingt provokant, ist aber leider meistens Realität. Die allermeisten Kameras und Audiorekorder benutzen den Timecode nur, um schnell die Uhrzeit nachzuschlagen, wenn auf Record gedrückt wird.
Das heißt, dass die Kamera als Referenz für den Sensor-Takt einen eigenen internen Quarz verwendet, dessen genaue Geschwindigkeit erst einmal nicht bekannt ist. Wird der Record-Knopf gedrückt, schaut die Kamera kurz auf den externen Timecode, so wie jemand auf eine Armbanduhr schauen würde, um den aktuellen Zeitpunkt in ein Notizbuch einzutragen. Die Kamera schreibt die Uhrzeit äquivalent in die Metadaten der Datei.
Zu allen anderen Zeitpunkten ignoriert die Kamera den Timecode und ganz besonders die Geschwindigkeit des Timecodes.
Daraus entstehen zwei Probleme:
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Erstens ist der genaue Zeitpunkt, zu dem die Aufnahme innerhalb eines Timecode-Frames gestartet wird, nicht bekannt, weil der interne Takt-Generator ja komplett unabhängig vom Timecode läuft. Die Kamera kann entweder zu Beginn eines Timecode-Frames die Aufnahme starten, oder erst am Ende. In beiden Fällen wird aber der gleiche Timecode in die Metadaten geschrieben, obwohl die Echtzeitpunkte weit auseinanderliegen können. Bei 25 fps zum Beispiel bis zu 40 ms. Diese Unsicherheit von bis zu einem Frame ist bei nicht synchronisierten Kameras immer vorhanden. Auch wenn Timecode verwendet wird. |
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Das zweite Problem tritt bei längeren Aufnahmen auf, zum Beispiel bei Konzerten oder Dokumentarfilmen. Weil der Sensor nicht mit den anderen Kameras synchronisiert ist und mit einer anderen Geschwindigkeit arbeitet, kann es sein dass verschiedene Kamera nach einem gewissen Zeitraum eine andere Anzahl an Frames aufgenommen haben. Beim Anlegen driften die einzelnen Video-Files dann auseinander und zeigen im Frame-Raster plötzlich andere Echtzeit-Momente. |
Ist das schlimm?
Die genannten Probleme fallen zum Glück nicht immer ins Gewicht. Wird beispielsweise nur mit einer Kamera gedreht und bleiben die Takes im Rahmen von ein paar Minuten, kann man auf externen Genlock verzichten.
Bei 3D-Aufnahmen, bei langen Aufnahmen mit mehreren Kameras und bei Virtual Production mit LED-Videowall ist es aber unumgänglich, alle Geräte miteinander zu synchronisieren. Wie das geht, erklären wir hier.